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Inklusion: Hospitationsbesuch in der Katharinenschule

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Eine UN-Konvention verpflichtet Deutschland zur schulischen Inklusion. Behinderte Kinder in NRW haben ab dem kommenden Schuljahr – zunächst in den Klassen 1 bis 5 – ein Recht auf gemeinsamen Unterricht mit nichtbehinderten. An der Katharinenschule in Unna wird gemeinsames Lernen bereits praktiziert.

Um von ihren bisherigen Erfahrungen mit der inklusiven Schule zu berichten, haben Eltern der Klasse 2 c der Grundschule den SPD-Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek am Montag, 2. Dezember, von 8 bis 11 Uhr zur Unterrichtshospitation eingeladen. Im anschließenden Feedback wollen sie mit dem Politiker über grundsätzliche Voraussetzungen für das Gelingen von Inklusion diskutieren.

Oliver Kaczmarek bearbeitet das Thema „Inklusive Bildung“ für die SPD-Bundestagsfraktion in Berlin und hat in der Vergangenheit mehrere inklusive Bildungseinrichtungen im Kreis Unna besucht.

 

Zweitklässler sausen mit Oliver Kaczmarek durch die Zeit

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Gespannt verfolgen die Jungen und Mädchen der Nordschule in Holzwickede die Geschichte, die der Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek ihnen vorliest.

Lesen wird großgeschrieben an der Holzwickeder Nordschule. Es gibt nicht nur eine kleine Bibliothek im Foyer der Schule. Auch die einzelnen Klassenräume sind ausgestattet mit Bücherregalen. „Lesen“, sagt Schulleiter Dirk Wülfing, „ist die wichtigste Schlüsselkompetenz überhaupt.“ Lesen sei der Weg zum Wissen.

Und so verwunderte es nicht, dass die Zweitklässler der Grundschule am Dienstagmorgen den Vorlesetag mit dem heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek mit einem eigenen Lese-Lied eröffneten. „Das Lesen ist stets ein Spaß gewesen. Es macht das Leben bunt und hält den Kopf gesund“, sangen sie zu den Gitarrenklängen von Lehrer Wülfing.

Ehe der Politiker den Jungen und Mädchen aus dem reich bebilderten Buch „Urmel saust durch die Zeit“ vorlas – was die Kinder mit der Bemerkung „cool“ honorierten  -, wurde denn auch zunächst übers Lesen gesprochen. Kaczmarek fragte nach den Lieblingsbüchern der Schülerinnen und Schüler, wollte wissen, ob sie regelmäßig lesen oder schon einmal jemandem vorgelesen haben.

Klar, in der zweiten Klasse können Kinder lesen. Gleichwohl überraschten die Antworten der Jungen und Mädchen. Ob Pferdegeschichten, Geister- oder Detektivgeschichten – die Nordschulkinder schmökern gern und viel. Ob er als Junge auch Pferdegeschichten gelesen hätte, fragte ein Mädchen den Bundestagsabgeordneten. Nein, eher nicht, war die Antwort. „Er ist ja auch ein Junge“, warf ein Steppke ein, „da liest man Piratengeschichten.“

Nun, Piratenabenteuer erlebte der kleine Dinosaurier Urmel in der Geschichte, die Oliver Kaczmarek den Kindern schließlich vortrug, nicht. Wohl aber eine spannende Reise mit einer Zeitmaschine.

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Der Bundestagsabgeordnete im Gespräch mit Vertretern des Schülerparlaments.

Diskussion mit Schülerparlament

Im Anschluss an das „Ohrenkino“ für die Zweiklässler stand für den Bundestagsabgeordneten ein weiterer Termin in der Nordschule an: Seit eineinhalb Jahren gibt es ein Schülerparlament an der Schule. Jede Klasse wählt zwei Vertreter, die sich im Gremium für die Interessen, Ideen und Meinungen ihrer Mitschüler einsetzen. Mit dem Bundestagsabgeordneten sprachen die Jungparlamentarier über demokratische Prozesse, ihre Wünsche und Vorstellungen.

Und damit die Schule ihre Bibliothek weiter ausbauen kann, überreichte Oliver Kaczmarek zum Abschied einen Büchergutschein.

2. Praxistag Inklusion: Wer Inklusion will, braucht Sonderpädagogik

Bei meinem zweiten Praxistag zur inklusiven Bildung konnte ich in den Alltag der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule (FvB) in Bergkamen-Heil schnuppern. Die FvB ist eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Dort werden 285 Schülerinnen und Schüler aus dem nördlichen und mittleren Kreis Unna in 24 Klassen von etwa 70 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. Die Schule arbeitet als Ganztagsschule.

Bei meiner Veranstaltung zur Inklusiven Bildung im vergangenen Jahr hatte mich die Schulleiterin eingeladen, die Schule zu besuchen, um ein besseres Bild zu bekommen, wie eine Förderschule funktioniert. Das habe ich gerne angenommen und ich haben tatsächlich ein anderes, vielleicht vollständigeres Bild davon bekommen, wie diese Schulform arbeitet.

Der Praxistag beginnt am Morgen mit dem Besuch der Unterstufe. In der FvB lernen die jüngsten Schülerinnen und Schüler mehrerer Jahrgangsstufen zusammen in einer Klasse. Zunächst lösen sie individuell Aufgaben mit Hilfe von passenden Lernmaterialien wie Puzzle oder Spiele. Danach gibt es einen gemeinsamen Morgenkreis, bei dem die Schülerinnen und Schüler einen täglich wiederkehrenden Rhythmus durchlaufen. Dabei füllen sie ihr Klassenhaus, das symbolisch an der Wand hängt, mit ihren Bildern, Namen und Symbolen. In der Klasse sind zwei Lehrerinnen anwesend, die sich um die Kinder kümmern und sie bei der Lösung der Aufgaben unterstützen. Nach dem Morgenkreis geht es in zwei Lerngruppen weiter.

Für mich geht danach weiter in die Oberstufe. Hier sind die Schülerinnen und Schüler schon etwas älter, schätzungsweise um die 14-16 Jahre. Auch hier arbeiten sie individuell an der Lösung ihrer Aufgaben. In dieser Klasse haben die Lehrer das Wochenplan-Prinzip eingeführt. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler erhalten ihr Arbeitspensum für eine ganze Woche zu Beginn und entscheiden selbst, in welcher Reihenfolge sie die einzelnen Aufgabenblöcke abarbeiten. Die einen rechnen, die zweiten lesen und die dritten machen freie Aufgaben. Am Ende der Stunde wird Bilanz gezogen und die Schüler geben an, welchen Aufgabenblock sie bearbeitet haben. Durch das Abhaken von Blöcken auf einer für alle sichtbaren Übersicht können sie ihren Arbeitsfortschritt dokumentieren und sehen. In der Pause nehmen dann alle ihr gemeinsames Frühstück ein, das eine andere Gruppe aus dieser Klasse in der Zwischenzeit vorbereitet hat.

Die Pausenstruktur hat die Schule vor einigen Jahren umgestellt. Die Schülerinnen und Schüler verbringen ihre Pause beaufsichtigt außerhalb des Klassenraumes in einem bestimmten Bereich der Schulgebäude und auf dem Hof. So können sie selbst darüber entscheiden, wie und mit wem sie ihre Pause verbringen möchten.

Im Anschluss nehme ich an einer Gesprächsrunde von Lehrerinnen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern der Schule teil. Die Schülerinnen und Schüler der Werkstufe berichten zum Beispiel über ihren Alltag im Metallbau oder in der Wäscherei. Sie kommen aber auch sehr direkt zu dem, was ihre Schule ausmacht („Die Lehrer sind cool“) oder zu dem, was sie von ihrer Schule und dem Leben nach der Schule erwarten. Sie wollen etwas machen, „um im Leben einmal weiter zu kommen“. Das übergreifende Thema unserer Region, der Übergang von der Schule in den Beruf, ist auch hier das wichtigste Thema für Schüler und Eltern. Diese sorgen sich darum, dass es zu wenige Plätze für ihre Kinder in Werkstätten für Behinderte gibt und sie regen u.a. an, dass mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung im öffentlichen Sektor geschaffen werden. Die meisten von ihnen haben sich bewusst für den Besuch einer Förderschule und gegen den gemeinsamen Unterricht in einer allgemeinen Schule entschieden.

Meine vorläufige Schlussfolgerung dieses zweiten Praxistags: wer inklusive Bildung will, d.h. möglichst viele Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen lassen, der braucht die Sonderpädagogik. In der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule arbeiten Expertinnen und Experten für die Pädagogik für besondere Kinder. Ihr Wissen, ihre Möglichkeiten, auf Kinder mit Behinderung individuell einzugehen, werden auch in der inklusiven Bildung benötigt. Es wäre ein Irrglaube, wenn man meinte, alle Lehrer müssten nur ein bisschen Sonderpädagogik im Studium zusätzlich studieren und schon könnten sie auch inklusiv unterrichten.

Viel mehr geht es darum, dass alle Lehrerinnen und Lehrer mit heterogenen Lerngruppen arbeiten können und zusammen mit Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen im Team eine inklusive Klasse unterrichten können. Davon sind wir leider in unserem derzeit auf Selektion angelegten gegliederten Schulsystem entfernt. Aber ich bemerke auch, wie das Interesse an der jeweils anderen Berufsrichtung zunimmt und wie die Bereitschaft zur Kooperation wächst. Inklusion ist derzeit eines der wirklich großen Themen der Bildungspolitik. Und alle können voneinander lernen. Ich würde gerne die Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen ermuntern, ihre Kompetenz im Umgang mit heterogenen Lerngruppen etwa oder mit jahrgangsübergreifendem Unterricht selbstbewusst in die Inklusionsdebatte einzubringen. Denn davon können auch die allgemeinen Schulen lernen.

Der nächste Praxistag im Oktober führt mich dann in den gemeinsamen Unterricht. Darauf bin ich gespannt. Und nach diesem Praxistag werde ich Bilanz ziehen und gemeinsam mit meinem Kollegen aus dem Landtag und den Kreispolitikern ganz konkrete nächste Schritte vereinbaren. So können wir gemeinsam daran mitwirken, dass der Kreis Unna tatsächlich ein Vorreiter für inklusive Bildung wird!

Lust auf was Neues (Dienstag): Bildung durch Forschen

Die heutigen Termine des zweiten Tages der Sommertour „Lust auf was Neues? Innovation durch Bildung!“ standen im Zeichen der Heranführung junger Menschen an Technik, Naturwissenschaften und an innovative Ideen und Berufe. Der Tag begann in der Grundschule am Friedrichsborn und setzte sich am Hellweg Berufskolleg in Unna fort. Während bei den Kleinen ein kleiner Hund zum Forschen animiert, wird bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor allem auf konkreten Bezug zur Berufswelt gesetzt.

Die Grundschule am Friedrichsborn in Unna-Königsborn arbeitet mit einem Projekt namens „Forschen mit Flecki“, das von der Stiftung Weiterbildung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Unna angestoßen wurde. Das Angebot an die Grundschulen im Kreis beinhaltet eine Forscherbox, die sich mit den Themen Magnetismus und Elektrizität beschäftigt. Enthalten sind Platinen mit kleinen Lämpchen, Kabeln, Kompasse und Magneten, die zum eigenen  Forschen animieren. Ergänzt wird die Box durch ein Fortbildungsangebot für das Lehrpersonal, sowie ein Begleitheft für die Schülerinnen und Schüler mit interessanten Aufgaben und Informationen. „Über 60 Grundschulen im Kreis Unna sind bereits mit der Box ausgestattet und 120 Lehrerinnen und Lehrer wurden entsprechend weitergebildet“, beschreibt Anica Stock von der Stiftung Weiterbildung „Forschen mit Flecki“. Kinder erhalten somit im Sachunterricht die Möglichkeit, ihrem Forscherdrang nachgehen und so z. B. eine eigene Lichterkette bauen oder die Leitfähigkeit von Materialien wie Metall und Kalk prüfen zu können. Die Aufgaben werden in dem „Forscherheft“ beschrieben (jede Seite ist mit ansehnlichen Illustrationen des Hundes Flecki ausgestattet) und die Kinder können in ihrem Heft die Beobachten und Ergebnisse dokumentiert. Die vierte Klasse der Grundschule am Friedrichsborn beschäftigte sich heute ausgiebig mit den Fragen der Elektrizität und an Tischgruppen gab es einige Versuchsstationen. Die Ergebnisse wurden zum Schluss gemeinsam in der Klasse diskutiert. So wurde u. a. festgestellt, dass in einer Reihenschaltung das Ausschrauben einer Glühbirne auch die weiteren Lampen aufhörten zu leuchten, und dass Salzwasser besser als Süßwasser leitet. Dank „Forschen mit Flecki“ werden bereits Grundschüler spielerisch mit Grundeigenschaften der Physik vertraut gemacht.

Am Nachmittag ging es zum Hellweg Berufskolleg, in der eine Realschulklasse bei der Arbeit an einer CNC-Fräsmaschine mehrere Gegenstände wie einen Kerzenständer oder einen Kreisel herstellte. Dafür mussten zuvor die genauen Maße und Bohrungen bestimmt werden, die dann in das Gerät programmiert wurden, das schließlich vollautomatisiert für einen Kerzenständer circa 2,5 Minuten benötigte. „Der Raum“, so der Schulleiter Bernd Marreck, „ist hauptsächlich für die dualen Ausbildungs-, aber auch für die technischen Vollzeitausbildungsgänge. Hier werden Maschinen nicht nur dargestellt, sondern es ist möglich, die genauen Abläufe einer Fertigung hautnah erleben und beeinflussen zu können.“ Insgesamt über 2.100 Schülerinnen und Schüler zählt das Berufskolleg momentan (davon ungefähr 1.800 in der dualen Ausbildung), wovon besonders Zerspanungs-, Werkzeug- und Industriemechaniker auch eben jenen Raum nutzen.

Auch unabhängig von dem Technikraum bietet das Berufskolleg viel. „Es ist schließlich zur Volksschule der Nation geworden, da rund 60 bis 65 Prozent eines Jahrgangs an einem Berufskolleg ausgebildet werden“, erläutert der Schulleiter. So ist neben dem schulischen Teil der klassischen Berufsausbildung auch das Abitur oder das Erreichen der Fachholschulreife möglich. Aber auch vorbereitene Maßnahmen sind möglich: so werden einige junge Menschen vor Ort vorbereitet, eine Berufsausbildung aufnehmen zu können, indem wichtige Grundlagen nachgeholt werden. Sowohl das spielerische Erlernen von Grundsätzen der Physik oder aber das praktische Arbeiten an Industriemaschinen für Jugendliche bzw. junge Erwachsene sind besondere und hochinteressante Möglichkeit zur Förderung des Interesse an Technik.

Lesen Sie hier den Bericht von Montag.